Tag Archiv für Facebook

Sebastian Edathy (SPD) und das Internet

Das Internet ist schon ein merkwürdiges Ding. Waren vorher alle Medien relativ einfach durch Gesetze regulierbar und wurden fast ausschließlich von “Profis” gemacht hat sich durch den Siegeszug des World Wide Web vieles geändert. Leider viel zu schnell für die Lenker unseres schönen Deutschlands. Die Politik ist leider in mehr als einem Jahrzehnt nicht in der Lage gewesen verständliche und sinnige Regeln & Gesetze für alle die in diesem wunderbaren Internet Inhalte veröffentlichen zu entwickeln. Dank dieses Umstands können sich immer mehr Anwälte immer teurere Autos und Villen leisten, auf Kosten oft unbedarfter Menschen die einfach nur an diesem Internet teilhaben woll(t)en.

Umso schöner zu sehen dass selbst Bundestagsabgeordnete wie Sebastian Edathy von der SPD offenbar nicht im Bilde sind. Dieser Sebastian Edathy (ich kannte ihn bisher auch nicht) hat verschiedene Bilder auf Facebook veröffentlicht und mit mehr oder minder sinnvollen Kommentaren versehen. Auf den Hinweis eines Users dass er damit Urheberrechte verletze antwortete er recht harsch:

“Sie können mich mal” und “können Sie mich, wie gehabt, mal am Arsch lecken”

Denn Herr Edathy ist der Meinung dass man dann ja jeden 3. Post auf Facebook entfernen müsse. Und damit hat er, leider, absolut Recht! Und das trifft nicht nur auf Facebook zu, letztlich gilt es für alles was in Deutschland digital publiziert wurde. Nun, jetzt könnte man also hoffen dass ein Bundestagsabgeordneter begriffen hat dass man da “mal was machen” müsste. Allerdings befürchte ich dass die “klassischen” Medien sich nun auf seine Ausdrucksweise stürzen werden. Herr Edathy wird sich dann vermutlich für seine Entgleisung entschuldigen, etwas weniger präsent auf Facebook & Co auftreten und danach ist die Geschichte wieder vergessen. Reaktionen wie in diesem Blog, der gleich einen offenen (und lesenswerten) Brief an Herrn E. schrieb werden leider die Ausnahme bleiben.

Gern lasse ich mich hier eines Besseren belehren, allein der Glaube daran fehlt.

Überraschung! Google+ bietet Spiele an

Was war das nicht schön als Google+ gestartet ist und sich dort fast ausschließlich die Heavyuser der Social Media Welt herumgetrieben haben. In jedem Stream gab es so richtig viel Nerdkram und Businesscontent. Alle waren verschont von Spieleeinladungen und all den damit verbundenen dämlichen Statusmeldungen. Ebenso all die Horoskope und Glücksnüsse und Fragen deren Antwort eh keinen interessieren. Wunderbar diese pseudo-intellektuelle Welt :D

Blöderweise hat Google aber einiges mehr vor, schließlich hat man an die ungefähr 25 Millionen User jeweils 150 Einladungscodes vergeben und will damit den Weg in die breite Öffentlichkeit gehen. So weit, so gut. Doch was denkt wohl die 17 jährige Claudia wenn sie zum ersten Mal Google+ von innen sieht und dort mit Studien zu Social Commerce und allerlei Nerdkram konfrontiert wird? Richtig:

Wo ist meine Farm?

Und genau diesen innerlichsten Wunsch der breiten Usermasse geht Google+ jetzt an. 10 Millionen Nerds machen eben noch kein Facebook. Das nervt jetzt natürlich all jene die sich von Google+ eine Alternative zu Facebook erhofft haben und endlich ohne all den nervigen Kram auskommen wollten. Caschy titelt dazu: Och nöööööööö! wird aber am Ende auch nichts daran ändern. Die Leute wollen eben ihre Spiele so wie die Firmen ihre Businessseiten wollen, wer wichtiger ist sieht man ja jetzt schon.

Am Ende läuft es eben doch einfach auf ein anderes Facebook hinaus. Vermutlich sogar ein besseres, allein dank der vielen tollen Googledienste die es eh schon gibt. Mit der Öffnung für Spiele hat dann wohl auch die nächste Phase im Kampf begonnen, denn jetzt wird sich zeigen ob Google+ tatsächlich eine Chance hat oder eher nur ein Nischennetzwerk bleiben wird.

Der ganz normale Google-Wahnsinn

Soso, Google startet ins Social Web. Mal wieder. Und mal wieder schlägt das Web große Wellen, jeder, aber auch wirklich (fast) jeder berichtet über den Facebook-Killer Google+.

Ich lass es bleiben, ehrlich. Mal ganz davon abgesehen dass Google mittlerweile soviel an Boden verloren hat dass es als Facebook-Killer bezeichnet wird (früher kamen ständig Google-Killer) ist es mir gerade einfach zu doof. Ich mag Facebook, viele meiner Kontakte sind dort und ich habe mich in den letzten beiden Jahren gerade dort eingelebt. Warum soll ich jetzt zu Google+ wechseln? Ach, man kann das auch parallel haben? Dann erst recht nicht! Mein StudiVz-Account stirbt gerade die tausend Tode der Nichtbeachtung und ehrlich gesagt muss ich hin und wieder arbeiten, essen, schlafen und Sex haben. Kein Bedarf für noch so ein Social Network.

Sollte sich Googles Versuch widererwartend doch gegen Facebook durchsetzen muss ich dann wohl auch wechseln, aber bis dahin übe ich mich mal in Nichtbeachtung…

Und wer jetzt hier gelandet ist und total enttäuscht schaut weil es keine Infos oder Invites gibt, hier ist nen YouTube-Video das vermeintlich etwas darüber berichtet:

Blog gegen Facebook tauschen?

Auf Basicthinking wird gerade diskutiert ob man sein Blog nicht quasi auf Facebook auslagern könnte. Traffic ist schon da, Freunde auch, und sowieso ist das alles viel einfacher. Zudem kommt ja noch der geplante Börsengang von Facebook bei dem eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar (wie cool findet das eigentlich Zuckerberg?) angestrebt wird. Nie wieder blöde WordPress-Updates, keine Sorgen um Linkverkäufe (Bloggergate :D :D :D ) und auch keine Serverproblematiken oder gar Domainstreitigkeiten.

Wow. So viele Vorteile, damit dürfte dann der Untergang der Blogger besiegelt sein. Oder? Wahrscheinlich eher nicht, denn dem etablierten Blogger sind die Entwicklungen des Web und seiner Emporkömmlinge nicht unbekannt. Hypes, Plattformen, Anbieter und “Must-Haves” kamen und gingen wieder unter. Warum sollte ich also mein 2.bestes Gut, nämlich meine Gedanken, Meinungen, Worte, Linksammlungen und so weiter an einen dahergelaufenen Dienst wie, in diesem Fall, Facebook abgeben? Meine persönlichen und biometrischen Daten dürften dafür vollkommen ausreichen. Denn was ist wenn Facebook auf einmal nicht mehr 100 Milliarden-Dollar-Cool ist? Bäm, alles weg. Keine Sicherung, kein gar nix. Ok, das klingt jetzt heftig – aber wer garantiert mir dass es nicht so kommt?

Dabei muss es gar nicht der ganz große Knall werden, was wenn Facebook irgendwann aus dem Trend gerät? Oder seine Möglichkeiten massiv ändert (gefragt werden die User eh nicht)? Dann muss ich entweder damit leben und grummeln oder meinen ganzen Mist zum nächsten Gaul umziehen. Darauf habe ich definitiv keine Lust und bleibe, ganz altmodisch, bei meinem WordPress. Meine Datenbank, meine Domain, alles meins. Und wer eben nur noch auf Facebook lesen und kommentieren will, tja, der hat halt Pech gehabt…

Daimler und die Facebook-Gruppe

Ach wie schön, in den letzten Tagen und Stunden hat sich mal wieder ein kleiner Shitstorm über einem Deutschen Vorzeigekonzern angebahnt. So richtig vermochte das Stürmchen nichts anrichten, auch weil man bei Daimler sehr besonnen reagierte und allem Anschein nach nichts schlimmes getan hat. Aber beginnen wir am Anfang:

Stuttgart 21. Ein Projekt das Millionen Menschen bewegt und solch tolle Wortschöpfungen wie “Wutbürger” (mit)prägte. Nun hat sich zwar der mediale Rummel um den Stuttgarter Bahnhof einigermaßen gelegt, in den sozialen Netzwerken unserer Republik wird aber noch immer heftig darüber diskutiert. Daran sind dann, welch Wunder, auch ein paar Mitarbeiter von Daimler beteiligt gewesen. Das ist relativ wahrscheinlich da in Baden-Württemberg doch mehr als 3 Menschen für Daimler arbeiten. Da aber Beteiligung an einer Diskussion und offenkundige Beschimpfungen ein Unterschied sind kam es wie es kommen musste. Daimler, oder viel mehr die Mitarbeiter die sich ums Web kümmern, wurden auf beleidigende Einträge ihrer Mitarbeiter aufmerksam und baten diese daraufhin zum Gespräch. Dieses endete im übrigen ohne jegliche Konsequenz und war eben eine Unterhaltung, irgendwie das was alle immer wollen, oder irgendwie doch nicht?

Sieht man sich dann Berichte wie den von Golem an und beachtet dazu noch die Kommentare vergeht der Spaß an diesem Internet recht schnell. Die derzeitige Haltung gegenüber Unternehmen ist wirklich erschreckend negativ… Für mich persönlich schießt aber die Marxistisch Leninistische Partei Deutschlands ab (Link), die verwechseln das Monitoring mit Stasi-Methoden. Ganz groß, mehr fällt mir dazu echt nicht ein. Und nur mal so nebenbei: Bei Facebook kann jeder Inhalte als Verstoß melden und wenn, wie in diesem Fall, tatsächlich beleidigt wurde ist eine Entfernung nur richtig.

Umso schöner dass man im Hause Daimler darauf unglaublich souverän reagiert und sich in keinster Weise aus der Ruhe bringen lässt. Vielmehr noch: Offenbar hatte man das schon geahnt und sicherheitshalber den Betriebsrat als eine Art Kontrollorgan zu den Gesprächen gebeten.

Am Ende kann man hier also zumindest Eines positiv festhalten: Der Shitstorm blieb völlig berechtigt bisher aus, offenbar ist das Web doch nicht zu sehr von Wutbürgern durchsetzt.